Mit der HEITZIG & HEITZIG EDITION tauchen wir jedes Jahr in das Wirken eines besonderen Menschen ein und lassen uns von seinen Ideen inspirieren.

Aus dieser Begegnung entsteht die Patenschaft für unsere EDITION aus 100 von Hand signierten Sektflaschen.

Ein Jahr – Ein Pate – Eine Edition

Jedes Jahr tauchen wir in das Wirken eines besonderen Menschen ein und lassen uns von seinen Ideen inspirieren.
Aus dieser Begegnung entsteht die Patenschaft für unsere EDITION aus 100 von Hand signierten Sektflaschen.

Wir sehen die EDITION als kommunikativen Anstoß, durch den unsere Paten und Ihre Anliegen im Gespräch bleiben. Zu vielen Gelegenheiten knüpfen wir mit Kunden und Geschäftspartnern thematisch daran an.

Für das Jahr 2020 konnten wir Dr. Thilo von Trotha als Paten unserer EDITION gewinnen.
Er gilt als einer der renommiertesten Redenschreiber im deutschen Sprachraum. Im Dialog mit Dr. Thilo von Throta wurden wir an die Macht des gesprochenen Wortes erinnert.
 
 

2020 - Dr. Thilo von Trotha

 

Die Paten der EDITION

Jedes Jahr widmen wir uns einem neuen Thema, welches durch einen Paten repräsentiert wird. Jede Flasche der EDITION wird persönlich signiert.
 

Der Chef-Cartoonist der Süddeutschen Zeitung, Dirk Meissner, zeigte und, wie Geschichten in einem Bild entstehen können.

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Fabian Haupt erklärte, wie Digital Natives ihre Karriere in der Musikszene planen, dazu eine Crowdfunding nutzen und eine breite Fanbase aufbauen.

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Christian Schult, die Synchronstimme von Robert Redford, zeigte eindrucksvoll, welche Relevanz Synchronstimmen nicht nur für den Erfolg von Hollywood-Stars, sondern auch für Imagefilme, Dokus und Werbung haben.

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Als offizieller Fotograf der Bundesregierung präsentierte uns Jesco Denzel effektiv die Macht der Bilder.

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2019 - Jesco Denzel

Jesco Denzel wurde 1971 in Bremen geboren.

Er studierte Poltische Wissenschaft an der Universität Hamburg und beendete das Studium im Jahr 2001 mit dem Abschluss Magister. Im Zeitraum 2002-2005 studierte er zudem Fernsehjournalismus in Hannover und absolvierte diverse Praktika u.a. bei der taz, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und bei Spiegel TV.

Seit 2005 lässt sich Denzel als freier Fotograf durch die Agentur laif vertreten. Denzel ist beruflich wie privat in Berlin und Hamburg ansässig.

2018 gewann er nicht nur den begehrten World Press Photo Award, sondern fand auch ehrenhafte Erwähnung von UNICEF Deutschland.

Der offizielle Fotograf der deutschen Bundesregierung dokumentiert mit einem untrüglichen Gespür für den richtigen Moment. Sein Bild von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Donals Trump auf dem G7-Gipfel in Charlevoix, Kanada, hat einem weltweiten Publikum die Macht der Bilder illustriert. Ob prominente Staatslenker oder namenlose Fischer – Jesco Denzel beherrscht das Kommunikationsinstrument „Bild“ eindrucksvoll und wirkmächtig.

 

Mehr Eindrücke von Jesco Denzel | jescodenzel.com Foto des Jahres 2018 World Press Photo Award

 

2018 - Christian Schult

Christian Schult wurde am 3. Februar 1954 geboren. Er ist ein deutscher Filmschauspieler und Synchronsprecher.

Schult lernt Schauspiel an der Fritz-Kirchhoff-Schauspielschule in Berlin, woraufhin er Engagements an verschiedenen Standorten in Österreich erhält, darunter Innsbruck und Salzburg.

Erst nach seiner Rückkehr nach Deutschland etabliert sich Schult als Synchronsprecher. Er folgt darin seinem Vater Rolf Schult, zu dem er eine große Stimmähnlichkeit besitzt.

Das Markenzeichen der Stimme von Christian Schult ist sein rauchig-warmes Timbre. Eine kraftvolle, markante Stimme, die uns unweigerlich vertraut vorkommt. Schult ist eine feste Größe unter Deutschlands Synchronsprechern. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er Charaktere wie Robert Redford, Marlon Brando oder Sir Anthony Hopkins.

Doch seine Bekanntheit entspringt besonders seiner großen Leidenschaft für Dokumentationen, Imagefilmen und Werbespots.

 

Mehr Eindrücke von Christian Schult | Agentur Stimmgerecht | sprechersprecher

 

2017 - Fabian Haupt

„Wenn Poesie einen Rock aus Pop tragen würde, würde sie klingen wie die Lieblingslieder von morgen.“, schreibt Fabian Haupt auf seiner Website.

Fabian Haupt wurde am 4. Mai 1991 in München geboren.

Der Musiker wächst im schönen Düsseldorf auf und studiert an der renommierten Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf Musik.

Seine Karriere beginnt im heimischen Wohnzimmer: Hier entsteht sein erstes Album Achterbahn (2015). Mit Kommilitonen entsteht erst ein musikalisches Duo, 2016 dann die Fabian Haupt Band. Nach NRW-weiten Erfolg und Zusammenarbeit mit großen Künstlern wie Andreas Gabalier, Andrea Bocelli, Ben Zucker und Rolando Villazón, nutzt Haupt 2016 erfolgreich ein Crowdfundung für die Produktion der EP Einfach Geradeaus. Seit 2017 tourt der Singer-Songwriter regelmäßig durch ganz Deutschland.

Bei uns sorgte der self-Promoter Fabian Haupt für einen digitalen Denkanstoß.

Die Digitalisierung hinterfragt etablierte Geschäftsmodelle, erschließt neue Wege zu Zielgruppen und ist manchmal schon näher, als man denkt. Wie man die Einflüsse der Digitalisierung mit deutschem Pop, Blues und Jazz verknüpft, zeigt Fabian Haupt. Er geht neue Wege zum Erfolg und macht sich digitale Geschäftsprozesse zu Nutze. So finanzierte er beispielsweise sein aktuelles Album „Einfach Geradeaus“ durch eine Crowdfunding-Kampagne.

Davon inspiriert trägt jede der 100 Flaschen unserer EDITION einen individuellen QR-Code der den Empfänger zu einem personalisierten Gruß führt. 

 
 

Mehr Eindrücke von Fabian Haupt | Fabian Haupt

 

2015 - Dirk Meissner

Dirk Meissner wurde 1964 in Aachen geboren.

Seine erste Veröffentlichung erscheint 1988 beim Weitzdörfer Cartoonverlag. Es handelt sich um eine Postkartenserie. Nach seinem VWL Studium werden seine ersten Cartoonbände veröffentlicht.

Der Produktion Manager at work folgt Der letzte Leistungsträger.

Dirk Meissner ist seit 2006 für die Süddeutsche Zeitung tätig. Für seine Arbeit erhielt er diverse Preise, darunter den 2. Preis beim Deutschen Karikaturpreis 2009. In Köln, wo er lebt und arbeitet, führte er bis 2015 mit Ehefrau Nina Meissner die Galerie Der Rote Pinguin –Ausstellungsort zeitgenössischer Karikatur und Cartoons.

Meissners neueste Schöpfung trägt den Namen Sagen Sie jetzt nicht, das ist Kunst. Zwischen dem 14. Juli und dem 27. Oktober 2019 war seine ‚kunst-komische‘ Arbeit im Museum gegenstandsfreier Kunst in Otterndorf bei Hamburg zu sehen. Die Deutsche Welle spricht von einer Versöhnung von Kunst und Humor.

Mehr Eindrücke von Dirk Meissner | Dirk Meissner | Cartoon-Ausstellung | Artikel Deutsche Welle



Im Interview mit Dr. Thilo von Trotha

Am Mittwoch, den 11.12.2019 durften wir Dr. Thilo von Trotha in unseren Düsseldorfer Räumlichkeiten begrüßen.
Neben dem Signieren der Sektflaschen stand uns Herr Dr. von Trotha auch für ein Interview zur Verfügung.
 
 
Wie alles begann: Der Jurist in der Schreibstube des Kanzlers
Heitzig:
Herr von Trotha, gehen wir doch zurück in die Zeit, in der Ihre Karriere begann. Ich habe gelesen, Sie sind gelernter Jurist? Das natürliche Habitat des Juristen ist ja nicht unbedingt das Redenschreiben…

v. Trotha:
Das stimmt wohl, ja.

Heitzig:
Ich weiß auch, dass Sie durch einen Zufall in die Schreiberstube des ehemaligen Kanzlers gekommen sind. Es handelte sich zunächst um eine Urlaubsvertretung, liege ich da richtig? Aber wie kommt man dazu, ausgerechnet einen jungen Juristen danach zu fragen?

v. Trotha:
Ja, ein Freund kam auf mich zu und fragte: „Hast du Lust, mich zu vertreten?“ Und ich sagte: „Mach ich!“

Im Endeffekt ist es so: Wenn dieser Freund nicht mein Freund gewesen wäre, wäre diese Frage wahrscheinlich auch gar nicht an mich gerichtet worden. Aber er wusste schon, dass ich einen Stift halten kann. Und ich hatte schon damals, während meiner Referendarzeit, als Mitarbeiter eines Abgeordneten im deutschen Bundestag gearbeitet und für ihn auch einige Reden geschrieben.

Heitzig:
Das war dann erst mal für ein paar Wochen oder so?

v. Trotha:
Das war angesetzt für ein paar Wochen.

Heitzig:
Und dann sind Sie da hängen geblieben?

v. Trotha:
Ich glaube, mein Freund hat viel mehr gedacht, als ich seinerzeit spitzgekriegt habe. Der ist nämlich nie wiedergekommen aus dem Urlaub.
Die Rede, der Redner und das „Ich“
Heitzig:
Sie haben einmal geschildert, wie sie dem damaligen Bundeskanzler Schmidt Ihre Meinung kundtaten, dass Sie es noch miterleben würden, dass die Wiedervereinigung kommt. Diese Schilderung hat mich beeindruckt und zu der Frage gebracht:
Wie gelingt eigentlich das Zusammenspiel zwischen dem Redenschreiber und dem Dienstherrn? Gerade im politischen Kontext, wenn man vielleicht politisch eben nicht auf einer Linie liegt. Ist das ein Thema?

v. Trotha:
Da muss man zwischen zwei Dingen unterscheiden.
Einmal: Was ich in meiner Zeit im Bundeskanzleramt erlebt habe. Und: Danach. Was ich in meinem Leben als Redenschreiber erlebt habe.
Für den Kanzler zu schreiben war letztlich keine Frage der politischen ‚Gestricktheit‘. Der Mann wollte vernünftige, rational begründete und vom Anstand geprägte Texte haben. Seine Redenschreiber waren zu einem großen Teil Leute aus der FDP. Zur Person Helmut Schmidt gehörte es, dass er eigentlich ein Mann war, der den engen Parteirahmen der SPD sprengte. Damals hieß es doch von vielen konservativen Leuten: Helmut Schmidt – ein toller Mann! Leider nur in der falschen Partei!

Heitzig:
Würden Sie denn sagen, dass es eine grundsätzliche Empfehlung ist, nicht zu nah an die Person ranzugehen, sondern eine gewisse ‚technische Distanz‘ zu wahren, weil man dann eigentlich stärker in der Zuhörerperspektive schreibt?

v. Trotha:
Sie haben das richtige Stichwort genannt. Der Redenschreiber ist natürlich ein Dienstleister für den Redner oder die Rednerin. Aber von seinem Job her ist er auch ein Vermittler zwischen dem Redner und seinem Publikum. Das heißt, der Redenschreiber muss stets einen Blick auf das Publikum haben und von daher verbietet sich eine zu große Nähe zum Redner.
Das 'Wer' und 'Wie' des Redenschreibens
Heitzig:
Was würden Sie denn jungen Leuten raten, die sich dafür interessieren in dieses Thema einzusteigen?

v. Trotha:
Also ich kann diesen Beruf sehr empfehlen. Es gibt nicht mehr sehr viele Tätigkeiten, wo man wirklich kreativ sein kann. Der Redenschreiber hat ein herrlich freies Feld der Kreativität. Wem also sowas nicht liegt, der sollte die Finger davon lassen. Aber wer Spaß an Kreativität, an Schöpfung, an schöpferischem Tun, an schönen Formulierungen, an geistreicher Tätigkeit hat, der ist hier richtig.
Denn richtig Reden schreiben heißt auch Literatur und Literaturerkenntnisse von außen ins Boot der Rede zu holen. Da wird man auch selbst immer klüger bei. Also das ist ein Beruf der, ich kann nur von mir sprechen, mich glücklich gemacht hat.

Heitzig:
Und woher nehmen Sie Inspiration für neue Reden?

v. Trotha:
Die Inspiration kommt aus dem Thema und dann verknüpft man eines mit dem anderen.
Ich weiß noch ganz genau, bei einer Rede über Gentechnologie spielte Max Frisch mit seiner Behauptung, dass man nicht alles machen darf, was man machen kann, eine große Rolle. Und gerade diese Verbindung mit Literatur gibt der Rede eine interessante Seite und macht mir als Redenschreiber auch bomben Spaß. Wenn ich in einer sechsten Rede bloß zusammenschreiben müsste, was der Chef schon fünf Mal gesagt hat – Puh. Da muss das Schmerzensgeld außerordentlich sein, um mir dann noch Spaß zu machen. [lacht]

Heitzig:
Würden Sie sagen, dass sich im Stil von Reden oder im Aufbau von Reden Dinge über Jahrzehnte auch verändern? Wenn wir beispielsweise heute einmal in die Kommunikation schauen:
Vieles wird kürzer, vieles wird schneller.

v. Trotha:
Also, ich habe das nie mit dem Zentimetermaß gemessen. Aber in den 30, 40 Jahren, die ich in dem Metier tätig bin, habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Rede auch in Deutschland endlich kürzer geworden ist. Und das ist eine gute Nachricht! Da eifern wir dem englischen, amerikanischen Vorbild nach. Überhaupt ist der angelsächsische Einfluss auf die deutsche Rede heilsam und gut.
Dass eine Rede mit 20 Minuten in Ordnung ist, das ist amerikanisch. Die Amerikaner haben dazu sogar eine Studie gemacht.

Heitzig:
Das war doch Ronald Reagan, der das hat analysieren lassen.

v. Trotha:
Ja genau. Der hat das untersuchen lassen und herausgefunden, dass auch der akademisch gebildete Durchschnittsamerikaner nicht länger als 20 Minuten zuhört. Und was machen die Amerikaner mit so einer Erkenntnis?

Heitzig:
Sie machen nach 20 Minuten Schluss!

v. Trotha:
Genau!
Der Chauffeur: Dr. von Trotha über Kurt Biedenkopf
v. Trotha erzählt:
Kurt Biedenkopf ist mühsam ein passabler Redner geworden. Das war eine sehr interessante Geschichte.
Herr Biedenkopf war Professor. Und er neigte dazu, auch in seinen Reden auf Parteitagen und vor Publikum zu ‚professionieren‘. Vor den Arbeitnehmern und vor wem er immer redete. Eines Tages, auf der Heimfahrt – Herr Biedenkopf war wahrscheinlich noch recht begeistert von der eigenen Rede – fragt er seinen Chauffeur:
„Wie war die Rede denn?“
„Ja“, sagt der Chauffeur, „ganz schön und gut, aber was heißt denn …?“
Biedenkopf erklärte seinem Chauffeur den unbekannten Ausdruck, so dass dieser ihn gut verstand.
Da fragte ihn daraufhin sein Chauffeur: „Warum sagen Sie das nicht gleich so?“

Heitzig:
Guter Chauffeur!

v. Trotha:
Ja, guter Chauffeur! Aber auch ein guter Chef in diesem Fall. Der hat den Chauffeur daraufhin zu allen Veranstaltungen mitgenommen und sich auf der Rückfahrt erzählen lassen, was er nicht verstanden hat. Allmählich hat Biedenkopf so seine professorale Sprache abgebaut und sich dank seines Chauffeurs fortan verständlicher ausgedrückt.
Mehr als ein ‚Trump-Tweed‘: Die Zukunft der Rede
Heitzig:
Die Berichterstattung ist voll von Begrifflichkeiten wie künstlichen Intelligenz und Veränderung von Berufen im Zuge der Digitalisierung. Wann sterben denn die Redenschreiber aus?

v. Trotha:
Ja erst wenn die Rede ausgestorben ist. Und darauf zielt wohl Ihre listige Frage: Wahrscheinlich stirbt sie eben nie aus, nicht
Die Rede wird nicht aussterben, weil sie eine besondere Art der Kommunikation ist, die eben nicht auf zwei, drei Informationen angesetzt ist –
Aber die ‚Rede‘ ist im Unterschied zum Vortrag oder zum Statement in erster Linie nicht Informationstransfer, sondern Beeinflussungsversuch, also Motivation. Und wer andere motiviert, führt sie.
Rede ist Führung! Und als Führungsinstrument ist sie bisher nicht gefährdet.
Als Informationsinstrument, das sie ja auch ist, kann ihr über Kurzmeldungen ein bisschen das Wasser abgegraben werden. Aber als Führungsinstrument ist sie bisher unersetzbar und meine Phantasie reicht nicht aus, mir eine Gesellschaft vorzustellen, die sich eben nur noch über Twitter oder in Kurzform unterhält.
Also das Zustandekommen von Reden das mag in hundert Jahren ein anderes sein als heute. Das weiß ich nicht. Aber ich bin ziemlich sicher, dass die Rede als Führungsinstrument erhalten bleiben wird.Denn es gibt meines Erachtens nur drei grundsätzliche Arten Menschen zu führen:
Das ist durch Vorbild. Das ist durch Gewalt. Und das ist durch Worte. Und in zivilisierten Gesellschaften, wenn sie arbeitsgeteilt sind umso mehr, ist das klassische Führungsinstrument das Wort. Und das ist die Rede. Es mag sein, dass die Reden noch kürzer werden, aber sie werden sicherlich immer mehr sein als ein Trump Tweet.
Aus dem Schatten ins Ungewisse: Der Schritt in die Selbstständigkeit
Heitzig:
Wie haben Sie das denn damals gemacht, als Sie aus dem Bundeskanzleramt rausgingen?
Sie haben damals ja in der Gruppe geschrieben, im Team. Aber sie mussten danach ja als Selbstständiger Fuß fassen. Das Premium: „Ich hab für Schmidt geschrieben“ hat Ihnen im Markt vermutlich geholfen?

v. Trotha:
Ich habe erstmal in die Anzeige geschrieben: „Ehemaliger Redenschreiber von Helmut Schmidt“.Da hab‘ ich von Helmut Schmidt einen draufgekriegt.

Heitzig:
Und wie hat das dann funktioniert? Wie konnten Sie unternehmerisch Fuß fassen?

v. Trotha:
Ich kann Ihnen das nicht genau sagen. Ich habe jede Woche nur eine winzig kleine Anzeige in der Welt am Sonntag gemacht. So drei Zeilen. Und schon die Erste hat was gebracht.

Heitzig:
Und dann ging es von einem Kunden zum nächsten –

v. Trotha:
Ja ne, nein, nein. Je besser die Rede ist –

Heitzig:
Umso mehr wird sie versteckt.

v. Trotha:
Je kleiner ist die Lust des Redners, davon Kunde zu tun.
Beim Zahnarzt: „Ich hab‘ einen super Zahnarzt, den empfehle ich dir gerne.“ Oder beim Architekten, oder was immer Sie wollen. Aber der Redenschreiber – nein. Wenn die Rede gut ist, dann ist sie natürlich allein auf der Jacke des Redners geboren.
Die Akademie für RedenSchreiben
Heitzig:
Dann haben Sie aber gesagt, es braucht die Akademie, die ausbildet. Und Sie haben eine Akademie für Redenschreiber und einen Verband gegründet. Wie kamen sie auf diese beiden Gedankengänge?

v. Trotha:
Der Verband, das war eigentlich ein Anstoß von außen. Ich bin überhaupt kein Freund von Verbänden und von Vereinen. Halt mich da eigentlich immer möglichst raus. Aber in den Seminaren der Akademie für RedenSchreiben waren sehr viele die klagten, was das für ein einsamer Beruf ist.
Die Idee ist richtiggehend aus dem Kreis der Seminarteilnehmer geboren wurden. Wie wäre es denn, wenn wir wenigstens einen Verband hätten. Und das hab‘ ich mir drei, vier Jahre angehört, dann hab‘ ich gesagt: Wer soll es machen, da bin ich doch eigentlich am dichtesten dran. So.

Heitzig:
Entstanden ist der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache 1998. Es handelt sich bis heute um den einzigen Berufs- und Fachverband für Redenschreiber und bis heute sind Sie sein Ehrenpräsident.
Gut Handwerk will gelernt sein
Heitzig:
Ich würde Sie gerne noch eine Sache fragen. Aus meiner Sicht gibt es Unterschiede zwischen Reden im Politischen, im Privaten oder im unternehmerischen Raum.
Welche Unterschiede sehen Sie da?

v. Trotha:

Ich weiß gar nicht. Ich sehe viel mehr das Verbindende.
Eine Rede muss interessant sein, sie muss bildhaft sein, sie muss persönlich sein, sie muss wahrhaftig sein. Das gilt für alle Reden. Wobei der Teil des Persönlichen wird natürlich bei einer Hochzeitsrede sehr viel mehr betont werden. Ich will sagen:
Ich versuche in meinen Seminaren sieben Sterne des guten Redens zu lehren. Und wie die gewichtet werden, das kommt aus dem Redeanlass heraus.
Aber eine Unternehmerrede oder eine politische Rede, also die ernsthaft aus beruflichem Zusammenhang angewandte, gebrauchte und gehaltene Rede, die muss vor allen Dingen wahrhaftig sein.
Das wichtigste Element ist die Wahrhaftigkeit. Denn wenn Sie akzeptieren, dass Rede ‚Führung‘ ist, dann gilt auch, dass sich niemand von jemandem führen lässt, von dem er glaubt, er zieht ihn über den Tisch. Und wenn ich nicht wahrhaftig bin als Redner, dann entsteht eben der Eindruck, ich werde über den Tisch gezogen und so ein Mensch lässt sich dann ja auch nicht führen.

Heitzig:
Politiker sind ja viel Redner. Folgt daraus auch viel Qualität?

v. Trotha:
Naja, also auf jeden Fall ist es die Berufsgruppe, die am erfolgreichsten und am besten mit dem Instrument Rede umgeht. Das heißt nicht, dass jeder Politiker besser ist als jeder Unternehmer, das heißt es nicht. Aber als Berufsgruppe...
Ich meine, die Rede ist das Handwerksinstrument des Politikers und man muss schon ganz schön blöde sein, wenn man hundert Reden gehalten hat und dann immer noch die gleichen Schwierigkeiten hat wie bei der ersten. Nicht? Also so blöd sind eben relativ wenig Leute.

Heitzig:
Heißt das: Übung macht den Meister?

v. Trotha:
Ja. Aber Hallo.

Heitzig: Ich habe eine letzte Frage, Herr Trotha. Im ZDF bei Markus Lanz haben Sie Politiker wie Westerwelle, Gysi und Lammert für Ihr Redetalent gelobt.

v. Trotha:
Mhmh [zustimmend]

Heitzig:
Dem stimme auch ich sofort zu. Aber gestatten Sie mir als Unternehmer doch die Nachfrage, ob es nicht auch unter deutschen Firmenlenkern Menschen gibt, die man lobend erwähnen könnte. Wo sind denn da die Talente?

v. Trotha:
Jetzt sprechen Sie eine große Schwäche von mir an. Ich habe ein sehr schlechtes Namensgedächtnis. Daher möchte und kann ich Ihnen ohne Weiteres keinen Namen aus der Wirtschaft nennen. Allerdings analysiert der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache nun schon seit 2014 die Reden der Vorstandsvorsitzenden der DAX30-Konzerne und zeichnet die beste CEO Rede aus –

Heitzig:
Persönlichkeiten wie Timotheus Höttges (Deutsche Telekom), Carsten Spohr (Deutsche Lufthansa), Harald Krüger (BMW) und Stephan Sturm von Fresenius.
Wie entstand diese Idee des Verbandes?

v. Trotha:
Ich habe schon die Neigung der Deutschen, zu lange Reden zu halten, erwähnt. Unser Ziel ist es eigentlich, durch konstruktives Feedback, die Redekultur in Unternehmen positiv zu beeinflussen.

Heitzig:
Und das ist ein einmaliges Projekt in Deutschland
v. Trotha:
Ja und damit leistet der Verband einen wertvollen Beitrag für bessere Kommunikation.

Heitzig:
Herr Dr. von Trotha, ich bedanke mich für das Gespräch.